Liebe Leserinnen und Leser,
der Sommer ist nun vorbei. Aber so manche Urlaubserinnerung bleibt. Wir waren in den Sommerferien mit unserem Wohnwagen an der Ostsee. Die Kinder packen ihr Spielzeug für jeden Urlaub immer selbst ein. Unsere vierjährige Tochter Ida hatte sich diesmal etwas ganz Besonderes ausgesucht: ihren „Krippenkoffer“.
Schon auf der Hinfahrt stellte Ida fest: In ihrem Krippenkoffer war einiges durcheinandergeraten. Denn neben den üblichen Figuren, die man so in einer Krippe erwartet, waren auch ein Eichhörnchen, ein Schwein, eine Giraffe, ein Huhn, ein Hahn und sogar ein Krokodil dabei.
Eine ziemlich ungewöhnliche Krippe. Aber vielleicht ist genau das gar nicht so falsch. Denn auch die biblische Krippe ist kein Ort, an dem alles ordentlich und perfekt zusammenpasst. Da sind Maria und Josef, die unterwegs sind. Ein Kind, das in einem Stall geboren wird. Direkt neben Ochs und Esel. Hirten, die plötzlich alles stehen und liegen lassen; Weise aus einem fernen Land. Fremde Menschen, die kommen und staunen. Die Krippe ist ein Ort, an dem Unterschiedliches zusammenkommt. Vielleicht ist das eine der schönsten Botschaften der Weihnachtsgeschichte – und eine, die wir nicht nur im Dezember brauchen.
Denn auch unser Leben ist oft eine ziemlich bunte Mischung. Da gibt es Dinge, die gut zusammenpassen, und andere, die irgendwie gar nicht hineinzupassen scheinen. Freude und Sorgen. Urlaub und Alltag. Lachen und Streit. Menschen, die uns nahestehen, und solche, mit denen wir uns schwertun. Pläne, die aufgehen, und Dinge, die ganz anders kommen.
Und mitten hinein kommt Gott.
Nicht erst dann, wenn alles ordentlich sortiert ist. Nicht erst, wenn wir unser Leben im Griff haben. Sondern mitten hinein in das Durcheinander. Vielleicht dürfen wir uns deshalb an Idas Urlaubskrippe erinnern: Wir müssen nicht erst die „richtigen“ Figuren sein, damit Gott bei uns ist. Wir müssen nicht perfekt sein. Und vielleicht müssen auch nicht alle Teile unseres Lebens perfekt zusammenpassen.
Gott kommt in unsere Welt, so wie sie ist.
Das Kind in der Krippe macht deutlich: Gott bleibt nicht auf Abstand. Er kommt uns nahe. Und so kann eine Krippe sogar im Sommerurlaub stehen. Im Wohnwagen oder auch am Strand. Vielleicht ist sie dort sogar genau am richtigen Ort.
Denn Weihnachten erinnert uns nicht nur an einen Termin im Kalender. Die Krippe erzählt uns das ganze Jahr davon, dass Gott mit uns unterwegs ist. Auch im Urlaub. Auch im Alltag. Auch dort, wo unser Leben eher nach Krokodil, Giraffe und Eichhörnchen aussieht als nach einer sorgfältig zusammengestellten Krippenszene.
Gott sagt: Ich bin da.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Zusage spüren, egal zu welcher Jahreszeit.
Ihre Pfarrerin
Werena Anders

